Dienstag, 28. Februar 2017

Faschingskrapfen

Jo, Faschingdienstag warat. Das ist ein Pflichttermin für Krapfen! Und diesen Tag haben wir, eine Gruppe von österreichischen Bloggerinnen, zum Anlass genommen, um zu zeigen, dass man Krapfen auch sehr gut selber machen kann und welche Wege alle nach Krapfen-Rom führen. In der Regel hat man die Zutaten alle daheim. Also los! Alles zusammensuchen und in 2 Stunden gibt es warme, köstliche Krapfen.

Das Rezept? Ich habe die Mengenangabe aus einem Kochbuch, die Technik aus einem anderen, die Temperaturangabe wieder woanders her - da darf man das Rezept dann hoffentlich schon als eigenes bezeichnen.

Wichtig zum Thema Krapfen essen: Man beißt immer dort rein, wo das Loch zum Füllen zu sehen ist. Dort rinnt nämlich am ehesten die Marmelade raus, wenn man reinbeißt und dadurch den flauschigen und flaumigen Krapfen automatisch zusammendrückt. Auf diese Weise gibt es keine Sauerei!





Was man braucht, ist eine spezielle Tülle zum Füllen der Krapfen. Bei mir ist so etwas beim Spritzsack dabei. Es gibt auch Rezepte, die zum Füllen vor dem Backen raten. Ich komme damit nicht zurecht. Es gibt immer einen Krapfen, der nicht halten mag und schon hat man die Bescherung und die Marmelade rinnt ins Frittierfett.




Und was muss man für mein Rezept können? Nicht viel. Teig schleifen. Das geht aber ganz einfach. Hier ein Video, dass das wunderbar zeigt: click Auf dem Foto unten sieht man das Muster, das die Böden von geschliffenen Teiglingen vor dem Aufgehen haben. Oben sieht man das sowieso nicht, nach dem Aufgehen auch am Boden nicht mehr.




Und wie bekommen die Krapfen so einen schönen Streifen am Rand? Indem man sie zugedeckt schwimmend in Öl frittiert. Ich hab keine Ahnung, wieso dieser Streifen beim offenen Backen nicht entsteht - oder zumindest bei mir nicht! Kann sein, dass es bei anderen klappt, denn viele Rezepte schreiben nichts davon, dass man die Krapfen zugedeckt frittieren soll, die Streifen sind aber vorhanden.




Was noch wichtig ist: Die Frittiertemperatur. Ich habe keine Fritteuse und helfe mich da einfach mit einem Fleischthermometer. Optimal ist es, die Krapfen bei 170 Grad ins Fett einzulegen und nicht zu viele Krapfen auf einmal reintun. Die Temperatur soll nicht unter 160 Grad sinken. Auf jeder Seite 2 - 3 Minuten zugedeckt backen. So sind die Krapfen durch und werden nicht zu dunkel.



Für 12 Krapfen:
320 g Mehl, glatt
30 g frische Germ
75 g Butter
35 g Staubzucker
5 EL Milch
1 Spritzer (Stroh-)Rum (Österreicher nehmen für den "echten" Geschmack Strohrum, alle anderen nehmen richtigen Rum)
Schale einer halben Biozitrone
3 Eidotter
1 ganzes Ei
1 Prise Salz

Marillenmarmelade (ohne Stücke!) - am besten im Sommer nach diesem Rezept gemacht, wenn nötig, mit etwas (Stroh-)Rum die Konsistenz anpassen
1 - 1,5 l Sonnenblumenöl (oder ein anderes geschmacksneutrales)
Staubzucker zum Bestreuen

Milch handwarm erwärmen, die Germ reinbröseln und gut verrühren. 50 g vom abgewogenen Mehl nehmen, in die Milchmischung einrühren, alles mit einer dicken Schicht Mehl bestreuen. Wenn die Mehlschicht Risse zeigt, also das Dampfl von unten raufdrückt, dann hat die Germ genug Kraft, um das Mehl zu heben - Dampfl geglückt! 
Die Butter schmelzen und alle Zutaten gründlich kneten. Bei mir darf die Küchenmaschine so lange kneten, bis der Teig eine ganz homogene Kugel ist, die sich gut vom Rand löst. Das kann schon mal 10 min. dauern. 
Teig zudecken und eine halbe Stunde gehen lassen, bis sich die Menge verdoppelt hat. Dann einmal kurz mit der Faust zusammenstoßen. Den Teig abwiegen und in 12 gleich große Stücke teilen. Die einzelnen Teile rund schleifen. Auf ein bemehltes Hangerl (Deutsche nehmen ein Geschirrtuch) legen, die Teiglinge mit Mehl stauben und noch ein Hangerl drüberlegen. Wieder aufgehen lassen, bis sich die Krapfen in ihrer Größe verdoppelt haben.
Öl erhitzen (170 Grad, you know), Krapfen nicht zu eng einlegen, denn die gehen noch einmal auf, zugedeckt 2 - 3 min. backen, wenden, wieder zugedeckt 2 - 3 min. backen.
Wenn die Krapfen überkühlt sind, füllt man sie mit der Krapfentülle des Dressiersacks (ca. 1 TL Marmelade pro Krapfen), überzuckern und gleich essen. 

Sehr wichtig: Überkühlt essen ist wichtig, denn die Krapfen sind nie mehr wieder so gut wie im warmen Zustand!




Ob ich Krapfen oft selber backe? Sicher nicht! Die gekauften haben nämlich den Vorteil, dass sie dosierbar sind ... 😊




Und nun meine österreichischen Mitstreiterinnen:





Das war jetzt mein erstes und einziges Faschingsposting. Sonst dürfen nur Nirvana hier in meinem Haushalt "Helau" singen ... 😎



Sonntag, 26. Februar 2017

Gruß vom Frühling

Letzte Woche hatten wir bis zu 17 Grad in Wien. Einerseits Kopfweh-Wetter, andererseits aber schon sehr toll. Endlich Sonnenschein und blauer Himmel! Da wandern die Mundwinkel automatisch nach oben und die grantlerischen Wiener werden wieder ein wenig milder gestimmt. Mich hat meine Schneerose mit vielen, vielen Knospen erfreut. Ich bin sicher, ich muss euch noch einmal mit Fotos belästigen, wenn die Blüten ganz offen sind.



Ines von Eclectic Hamilton ruft wieder zu Sunday Inspiration auf: 1 Foto, nicht mehr. Und viel mehr tut sich auf Balkonien eh noch nicht, also passt mein Posting sehr gut.


Ich wünsch euch allen einen wunderbaren Sonntag!

Freitag, 24. Februar 2017

Rote Rübensalat mit Orangen

Dass Rote Rüben sehr gut mit Orangen zusammenpassen, habe ich bei diesem Rezept schon einmal gezeigt. Nun habe ich die Kombi im Kochbuch Obst und Gemüsenudeln noch einmal gesehen und sofort nachgemacht. Schmeckt! Und schaut im Buch genial aus, denn da werden Rote und Gelbe Rüben mit ganz hellen Orangen und ganz dunklen Blutorangen kombiniert, das ist eine Augenweide. Also wer immer die Chance hat, an andersfärbige Rote Rüben zu kommen, sollte das bitte unbedingt ausprobieren. Ich schreibe die Zutaten laut Kochbuch auf, ich selber habe nur Rote Rüben gehabt und verwendet.


Für 4:
1 Rote Rübe (ich 3 rote)
2 Gelbe Rüben (hatte ich keine)
3 TL Olivenöl
2 Blutorangen
2 Orangen hell
1 EL Zitronensaft
1 EL Limettensaft
¼ rote Zwiebel
Salz
Pfeffer
Kerbel (hatte ich nicht)

Backofen auf 180 Grad vorheizen. Die Rüben schälen und mit dem Spiralschneider in Nudeln schneiden. Mit 1 TL Öl beträufeln und 10 min. im vorgeheizten Rohr garen.
In der Zwischenzeit die Orangen so schälen, dass man auch die weiße Haut mit abschneidet. Filetieren und den dabei austretenden Saft auffangen. Zitronen- und Limettensaft zum Orangensaft geben, Salz, Pfeffer und restliches Öl dazugeben, mit einem Schneebesen gut aufemulgieren.
Rote Zwiebel fein schneiden, mit den Rote Rüben-Spiralen und den Orangenfilets mischen. Mit der Marinade beträufeln.
Wenn man Kerbel hat, zerzupft man ein paar Blätter und gibt sie vor dem Servieren über den Salat.

Dienstag, 21. Februar 2017

[Buchbesprechung] Obst- und Gemüsenudeln

Weihnachten ist schon eine Weile vorbei, die Kilos sitzen! Da lag es nahe, sich einmal näher dem Kapitel Gemüsenudeln zu widmen. Vor allem steht hier in dem ohnehin sehr kleinen Küchenbereich schon die längste Zeit ein Spiralschneider und verstaubt vor sich hin. Nun gibt es aber aus dem Bassermann Verlag das Buch Obst-und-Gemüsenudeln von Zoé Armbruster. Die Autorin wuchs in Paris auf, hat die French School of Culinary Arts absolviert und ist nun Food-Fotografin und Food-Stylistin. Natürlich hat sie auch die Fotos selber gemacht. Diese sind hell und freundlich, das meiste Essen liegt auf dem Teller, wird aber auch oft quer über die hölzernen Untergründe verteilt.
Sehr lobend muss ich gleich die Einleitung erwähnen: Es wird erklärt, was ein Spiralschneider ist, es wird aber auch beschrieben, mit welchen Schneidetechniken man sich helfen kann, wenn man keinen solchen Schneider hat; vor allem aber wird für keine einzige Herstellerfirma geworben.
Aufgeteilt ist das Buch in die Rubriken Vorspeise, Hauptspeise und Dessert. Es werden insgesamt 35 Rezepte vorgestellt. Damit ist das Buch kein allumfassendes Werk, das alles zeigt, was es auf diesem Gebiet zu wissen gibt, sondern es ist eine Einführung, um einmal ein wenig in die Gemüsenudelwelt hineinschnuppern zu können. Die Rezepte sind durchgehend einfach nachzumachen, also auch für Kochneulinge geeignet.
Ein Beispiel für so ein einfaches Rezept: Es werden Birneneislutscher gemacht. Dafür wird die Birne in Spiralen geschnitten und mit verdünntem Holunderblütensirup in Formen für Eis am Stiel eingefroren.
Dazu passt auch der Anhang, in dem beschrieben wird, wie man Zutatenmengen ohne Waage abmisst. Es gibt also keine Ausrede mehr für küchentechnisch nicht so üppig ausgerüstete Küchen! Daher los, ran an den Herd.


Erdäpfelpuffer mit Räucherlachs 
Keine Neuerung, aber ich mag es gern, wenn man einen Klassiker einmal anders servieren kann. Die Puffer sind schön knusprig geworden und schmecken auch in Spiralform sehr gut.










Rote-Rübensalat mit Orangen
Eine schöne Kombination, die auch noch mit roter Zwiebel aufgepeppt wird. Im Buch schaut das Foto zum Niederknien gut aus, weil da ganz dunkle Blutorangen mit hellen Orangen, roter und gelber Rübe kombiniert werden. Damit kann ich leider nicht dienen, aber geschmeckt hat auch dieses Gericht sehr gut.

Zucchinispaghetti mit Muscheln
Das ist jetzt richtig schlanke Küche! Nur der Hauch Kohlehydrate der Zucchini verirrt sich in dieses Essen. Und es wäre laut Rezept auch extrem fettarm, da die Zucchininudeln nur gedämpft werden. Ich mag aber keine Zoodels, die nur gekocht oder gedämpft sind, ich brauch ein paar Röstaromen, daher habe ich die Zucchininudeln gebraten. Die sind übrigens erstaunlich stabil und man kann sie wie normale Spaghetti auf die Gabel drehen.




Und wenn man diese Gerichte nachkocht, aber nur einmal in der Woche (so wie ich das mache), und an den anderen Tagen Kaiserschmarren und Buchteln futtert oder sich durch ganz Budapest schlemmt, dann darf man sich über die fest sitzenden Kilos trotz dieses Kochbuchs allerdings nicht wundern. 😉

Fakten zum Buch: gebunden, Pappband, 73 Seiten, Erscheinungsdatum: 21.11.2016, ISBN: 978-3-8094-3689-8, kostet € 7,99 in D und auch in A!

Hezlichen Dank an den Bassermann Verlag für das Rezensionsexemplar!

Freitag, 17. Februar 2017

Zanderfilet mit Linsen in Senfsauce

Dass die Kombination Linsen mit Senf und Honig nicht unbedingt ein Bringer sein muss, habe ich schon einmal festgestellt: click Aber dieses Mal war es sehr, sehr gut. Leider kann ich mich nicht mehr erinnern, was ich bei dem verlinkten Rezept für einen Senf oder für einen Honig genommen habe. Sicherheitshalber schreibe ich aber dieses Mal dazu, welche Senfsorten und welcher Honig zu den Linsen verwendet wurden, damit es keine Spinnenfäden gibt.

Was wichtig ist: Zum Kochen der Linsen eignet sich ungesalzene, selbst gemachte, klare Gemüsesuppe ausgezeichnet. Wenn man schon gesalzen hat, ist das auch kein Beinbruch, aber die Linsen brauchen dann deutlich länger zum Garen. Das sollte man berücksichtigen.

Für 2 Personen:
1 Zwiebel
120 g Linsen (Puy, Alba oder Berglinsen)
500 ml klare Gemüsesuppe
2 El Öl
1 El grobkörniger Senf (Rotisseur Senf)
1 EL Dijon-Senf (aus dem Bioladen)
1 El Aceto balsamico
1 kleine Zwiebel
⅛ l Schlagobers
2 El Sonnenblumenöl
Salz
1 TL Honig (bei mir Waldhonig)

2 Zanderfilets
Mehl (griffiges eignet sich am besten)
1 EL Sonnenblumenöl
1 EL Butter
Salz (Salzflocken wie Maldon Salz oder Fleur de Sel)

400 g Erdäpfel
1 EL Butter
2 El gehackte Petersilie

Erdäpfel in kaltem Wasser zustellen und ca. 20 min garen. 

Zwiebel fein würfeln. Öl in einem Topf erwärmen und Zwiebelwürferl darin glasig dünsten. Linsen zugeben, alles mit 600 ml Gemüsesuppe aufgießen, aufkochen und bei mittlerer Hitze maximal 15 min. garen. Die Linsen sollten nicht ganz gar sein.

Während die Linsen garen, kann man die Erdäpfel und den Zander zubereiten: Erdäpfel schälen, wenn sie recht groß sind, in handliche Stücke schneiden. Butter erhitzen, Erdäpfel in der Butter durchschwenken, salzen und Petersilie dazugeben. Auf der abgedrehten Platte warm halten, dabei ab und zu schwenken.

Die Zanderfilets auf der Hautseite einige Male schräg einschneiden. Nur die Haut! Man vermeidet dadurch, dass sich die Haut so schiach wie hier zusammenzieht. Öl in einer beschichteten Pfanne erhitzen, Zander mit der Hautseite in das Öl einlegen. Butter dazugeben. Je nach Dicke des Fischfilets 3 - 5 min. braten, dann wenden und von der Platte ziehen. Den Fisch auf diese Weise ein paar Minuten durchziehen lassen. So bleibt die Haut knusprig und der Fisch übergart nicht. Vor dem Servieren mit Salz, am besten groben Salzflocken, bestreuen.

Linsen abseihen, den Garsud aber aufheben. Schlagobers in einer Pfanne erhitzen, die beiden Senfsorten einrühren, Linsen dazugeben und bei sanfter Hitze köcheln lassen, bis die Linsen gar sind. Sollte die Sauce zu sehr eindicken, etwas vom Garsud der Linsen dazugießen. Mit Salz und Honig abschmecken.


Zander ist und bleibt mein Lieblingsfisch. Ich esse generell Fisch sehr gern, mittlerweile am liebsten heimischen Fisch aus Vertrauen erweckenden Zuchten − mein Lieblingszüchter ist Peter Paffrath − oder Wildfänge. Ja, gibt es tatsächlich! Im Neusiedler See gibt es wieder Zander. Da muss man aber wirklich einen Fischer von dort kennen, um an solche Schätze zu kommen.

Das Rezept hat keine bestimmte Quelle. Irgendwo im Netz hatte ich Linsen in Senfsauce gesehen, dann aber Auge mal Pi gekocht.

Dienstag, 14. Februar 2017

[Urlaub] Budapest



Es.War.Ge_ni_al!

Interessieren jemanden Details? Na gut, schreib ich mehr. Ich fang einmal mit dem weniger Erfreulichen an: Als wir ankamen, mussten wir mit Erschrecken feststellen, dass es in Budapest keine Schneeräumung gibt. Ich stieg aus der Straßenbahn und stand auf einer Eisplatte, von der gerade die Oberfläche angetaut war. Nur mein Trolley rettet mich vor dem Umfallen. Zum Glück wurde es aber wärmer und das Eis taute weg, sodass wir ziemlich problemlos kreuz und quer durch die Stadt gehen konnten. Wie man auf dem Foto oben sieht, hatten wir sogar Sonnenschein!

Wie kaum eine Stadt lebt Budapest. Vor allem das jüdische Viertel hat mich schwer beeindruckt. Was da aus einem schon recht verfallenen Viertel gemacht wurde, ist schon toll. Mit solchen fantasievollen jungen Leuten kann das nur was Gutes werden mit der Zukunft. Es gibt große Innenhöfe, die aneinander angrenzen, die wurden wieder belebt mit Trödelmärkten, Bio-Lebensmittelmärkten und auch Gastronomie. Was mich ja besonders beeindruckt hat: Die Barber Shops! Die sind teilweise von morgens bis Mitternacht geöffnet und immer warten eine Menge Männer drauf, dass sie drankommen. Wäre ich ein Mann, ich würde mir sofort einen Bart wachsen lassen, nur um mir den in einem dieser Shops dann stylen zu lassen. Schon allein, um mir die in langen Schlangen wartenden jungen, feschen Männer anzuschauen. 😉


Und auch in Gastro-Bereich wurde da einiges in Bewegung gesetzt: Die Ruin Bars sind mittlerweile sehr bekannt. Die sind nicht low budget, sondern no budget, also mit gar keinem Budget gegründet. Da wurden alte Sesseln zusammengesammelt, genagelt, damit sie nicht zusammenbrechen, ebenso die Tische, die Lampen etc. Die Wände sind entweder vom Verputz total befreit oder mit Graffity überzogen. Und die Qualität, die man dort bekommt, ist immer gut. In der Ruin Bar auf dem linken Foto habe ich zum Beispiel Grapefruit-Saft bestellt. Gar keine Frage, dass der frisch gepresst war.




Noch so ein No-Budget-Projekt im jüdischen Viertel: Lauter altes Graffel zusammengetragen, das ist die Deko des Lokals. Gekocht wurde in diesem Lokal jüdisch, aber nicht koscher. Also auch beim Essen: keine Grenzen, keine Gebote. Das tut sehr gut zu sehen, wie weltoffen hier agiert wird. Es gibt auch immer wieder Projekte, wo Essen auf Kunst trifft. Leider war diesbezüglich nicht viel los, als wir in Budapest waren.







Was wir aber wohl gemacht haben, war ein Klezmer-Konzert besuchen im Spinoza. Es war toll! Und was auch toll war: Ich habe danach Flodni gegessen. Bitte wieso hat mir niemand gesagt, dass es das gibt? Ein Stück Kuchen, das glücklich macht! Mohn-, Nuss- und Apfelfülle, getrennt durch sehr dünne Teigplatten, drüber ein bissl Zwetschkensauce. Ersetzt sättigungstechnisch ein Abendessen und schmeckt wahnsinnig gut!

Gefunden haben wir auch eines der schönsten Kaffeehäuser, die ich je gesehen habe: Das Lotz Terem, das über der Buchhandlung Alexandra in der Nähe der Oper liegt. Man muss durch die Buchhandlung durch und auf den Stock rauf. Dass rund um uns nur Ungarisch gesprochen wurde, wundert mich nicht, denn dieses Café muss man erst einmal entdecken. Die Homepage ist ja auch gnadenlos: auf ungarisch ohne Übersetzungsmöglichkeit.

Hier entlang zu einem Video über das Café.
Wer mehr von meinen Fotos sehen will: click

Spannend zuzuschauen: Im Strudel House gibt es sehr viele verschiedene Strudel und der Teig wird vor Publikum ausgezogen. In einer wahnsinnigen Geschwindigkeit zieht der Koch den Teig in der Luft so groß aus, dass er sich darin fast einwickeln kann. Mit einem weiteren Handgriff liegt der Strudel perfekt passend auf dem Tisch, wird ruck-zuck mit flüssiger Butter beträufelt, belegt, gerollt, in backblechlange Stücke geschnitten, auf das Blech transferiert und gebacken.

Mehr Fotos sind wieder mal ausgelagert: clack


Das Menza Etterem ist ein Lokal, für das man auf jeden Fall rechtzeitig reservieren muss, denn es ist jeden Abend rappelvoll. Sehr stylish mit 70-er Jahre-Tapeten, einem Eingangsbereich, der ausschaut, als wäre er aus den alten Raumschiff Enterprise-Folgen geklaut - zum Verlieben!
Was mich sehr beeindruckt hat: Ich mag ja gern Soda-Zitron. Dort kann man sich alle möglichen Getränke mit den passenden Fruchtmusen servieren lassen. Mein Soda-Orange-Zitrone-Minze war unglaublich gut!
Der Turbohausmann hat das gegessen, was man auf dem Teller sieht: Welsragout mit Nockerln. Also nicht irgendein Gulasch, sondern aus heimischen Fischen mit einer wunderbaren Paprikasauce.
Mehr Fotos: click

Wir haben auch dieses Mal wieder eine Foodie-Tour gemacht. Die führte uns unter anderem in eine winzige Schokolaterie, die wir allein im Leben nicht gefunden hätten. Auch hier wieder: zwei junge Leute haben sich dem Schokolademachen verschrieben und arbeiten "From Bean to Bar", also fertigen alles selber händisch an und importieren sich ihre Kakaobohnen auch selber. Sehr fantasievolle Produkte findet man dort. Mein Favorit: Kandierte Bergamottschale, überzogen mit feinster Schokolade. Sehr, sehr fein!



Begonnen hat diese Tour natürlich in der großen Markthalle von Budapest. Sofort sieht man, wo der Paprika daheim ist! So viele Sorten sieht man selten. Nicht nur in Zöpfen oder als Paprikapulver, auch Paprikaöl oder -essig oder -paste findet man hier.

Erfreulich viele Einheimische kaufen in der Markthalle ein. Und noch ein persönlicher Tipp: Nicht abschrecken lassen, dass im Untergeschoß nur der Aldi angeschrieben ist! Da unten waren wir sicher die einzigen Ausländer. Da gibt es einen genialen Fleischhauer und viele Standeln, die ich am liebsten mit nach Wien genommen hätte - ja, gleich das ganze Standel samt Besitzerin!


Was wir noch gelernt haben auf der Foodie Tour: Alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird in Ungarn sauer eingelegt. Die Auswahl ist riesig und immer köstlich. In meinem ganzen Leben habe ich noch keine saure Wassermelone gegessen, schon gar nicht mit 3 cm Durchmesser. Nur wenig Gemüse oder Obst hat die Chance, sehr groß zu werden, denn sehr viel wird konserviert für den Winter. Zum Teil auch ganz ssssööööön sarf!

Mehr Fotos der Markthalle: click
Ja, Kastanienreis. Der ist schon so ein kleiner Tick von mir: Wenn ich wo Kastanienreis als Dessert finde, muss ich den auch essen. Der hier war das Beste, was ich je an Kastanienreis gegessen habe, also der Reis selber war jetzt ein normaler, sehr guter Kastanienreis, aber die Gesamtkomposition war überirdisch: Schnapsweichseln in einer Glühweinsauce als sauer-fruchtige Komponente, das cremige Schlagobers und als Tüpfelchen auf dem I ein Bällchen aus aufgerollten, hauchdünnen, knusprigen Schokoladestreifchen. Ich habe nicht die geringste Ahnung, wie man so etwas macht. Es war auf jeden Fall der Gipfel der Kastanienreisglückseligkeit!

Diesen Kastanienreis und noch unverschämt viele andere Patisserie-Höhepunkte findet man im Gerbeaud. Allein das Kekserl, das man dort bekommt, wenn man nur einen Kaffee trinkt! Shortbread mit kandiertem Ingwer und kandierten Orangen. Diese süß-bitter-scharfe Kombination war umwerfend.

Mehr Fotos sind auf meiner FB-Seite zu finden: clack
Noch einmal jüdisches Viertel: Getto Gulyas. Eine ganz dringende Empfehlung von mir, dort einmal essen zu gehen, wenn man in Budapest ist. Es ist klassische österreichisch-ungarische Küche, aber neu interpretiert. Ehrliche, einfache Gerichte ohne viel Chichi, die alle wunderbar schmecken.

Auf dem Foto sieht man Markknochen mit je einer sehr weichen (konfierten oder lang geschmorten, weiß ich nicht) Knoblauchzehe oben drauf. Gewürzt unter anderem natürlich mit Paprikapulver. Dazu noch warmes, geröstetes Brot. Unglaublich gut!

Mehr Fotos: click

Dieses Stück Dobos-Torte haben zu zweit im Café Ruszwurm oben auf der Burg bezwungen. Eigentlich ist es eine Touristenfalle, aber zu schön, um dran vorbeizugehen: 1827 wurde die Konditorei gegründet und angeblich ist sie damit die älteste des Kontinents. Und genau dieses Ambiente wurde beibehalten.
Ziemlich gruselig sind die Touristen, die sich in einer endlosen Schlange bei der Vitrine anstellen, um sich die Mehlspeisen dort zu kaufen, selber ins Café tragen und dort aus dem Papierl raus essen, um sich die paar Prozent zu ersparen, die man für den Service bezahlt ... Ohne weitere Worte.

Fotos: clack


Nun kommt schon unser Abschiedsessen. Anikó hat mir diesen Tipp gegeben: das Rosenstein liegt in einer hässlichen Gegend, direkt beim Bahnhof - für uns sehr praktisch, denn nach dem Essen konnten wir direkt in den Zug fallen und nach Wien fahren. Wiederum ein Lokal mit klassischen Gerichten. Hier sieht man geschmorte Kalbsbackerln mit Rahmpilzen, das Grüne ist Petersilienöl, dazu gab es Haluska, eine typische ungarische Nockerl-Variante. Das Fleisch war total zart, da hätte man kein Messer gebraucht, aber dennoch hab ich mich sehr über dieses extrem hübsche Messer gefreut.

Fotos: click


Noch ein letzter Blick von der Burg auf den Stadtteil Pest. Auf dem Foto sieht man die schöne und berühmte Kettenbrücke.





Freitag, 10. Februar 2017

Orangenpudding

Ja, ja, eigentlich ist es kein Pudding, sondern ein Flammeri. Das Rezept ist wie so oft nicht von mir, sondern stammt aus einem Kochbuch: "Immer schon vegan" von Katharina Seiser. Bei uns steht das so sicher wie das Amen im Gebet öfter mal auf dem Tisch: Schnell gemacht, gelingsicher, schmeckt. Also darf das Rezept auch hier in meine Rezeptsammlung. Ich hab wie fast immer ein bissl was geändert.

Rund um den Pudding habe ich in feine Spalten geschnittene kandierte Mandarinen gelegt. Passt sehr gut! Die sind nicht selbst gemacht, sondern stammen aus einem tollen Geschäft: Barbarella heißt es. Auch im Falter wurde schon drüber geschrieben. Ich habe den Tipp von einer lieben Leserin, von Klaudia, mit der ich dort schon einen herrlichen Espresso getrunken habe. Das ist ja ein lustiges Geschäft: Es ist winzigst! Besitzerin und Besitzer sind mit Nino Crupi, wo ich sehr gern Orangen kaufe, verwandt. Man bekommt bei Barbarella aber keine frischen Zitrusfrüchte, sondern das ist die Abteilung der Familie, bei der man verarbeitete Zitrus- und auch andere Früchte bekommt. Und herrliche Pistazien! Canoli! Herrje, so viele Köstlichkeiten! Also bitte hinschauen.



Für 4 Personen
75 gr. Zucker
ca. 1 Kilo Bio-Orangen
1 Bio-Zitrone
25 gr. Maizena

Den Zucker in einen Topf geben. Orangen und Zitronen heiß abwaschen und die Zesten von 1 Orange und 1 Zitrone fein abreiben und zum Zucker geben. Zesten und Zucker mit den Fingern gut verreiben, damit sich die ätherischen Öle freisetzen. 500 ml Orangensaft auspressen und mit dem Saft der Zitronen zum Zucker geben. Aufkochen lassen, Stärke in etwas kaltem Wasser auflösen und unter ständigem Rühren in den Orangensaft geben. 5 Minuten ganz sacht köcheln lassen, dabei immer rühren. In der Zwischenzeit Gläschchen oder Schälchen mit eiskaltem Wasser füllen und kurz vor dem Befüllen das Wasser auskippen und schnell die Puddingmasse einfüllen. Wenn der Pudding Raumtemperatur hat, Folie drüber und ab in den Kühlschrank; über Nacht gelieren lassen.

Vor dem Servieren kann man den Pudding stürzen, schmeckt aber auch direkt aus dem Gläschen gut. Ein bisschen Schnickschnack wie die kandierten Mandarinen oder andere zitrussige Erfreulichkeiten verträt der Pudding gut.

Dienstag, 7. Februar 2017

Schweinskotelett auf Pomelo-Kräutersalat

Dass ich gern Kochsendungen sehe, ist jetzt wahrscheinlich keine Überraschung. Ich zeichne sie meistens auf und beim Bügeln oder sonstiger Hausarbeit läuft dann die Aufzeichnung. Manchmal finde ich die Rezepte so spannend, dass die Hausarbeit liegen bleiben darf und ich setze mich hin und schau mir alles an, so wie bei dieser Folge der Küchenschlacht. Irgendwie auch keine Überraschung, ging es doch um Zitrusfrüchte. Und auch keine Überraschung: ich habe wieder einmal Auge mal Pi nachgekocht.




Für zwei Personen:
4 Jungschweinskoteletts (von normalen Schweinskoteletts reichen 2 Stück)

Für die Marinade:
½ Grapefruit, davon Saft und Abrieb
1 EL Honig
Cayennepfeffer
Salz
schwarzer Pfeffer
1 El Sojasauce
1 Knoblauchzehen, in feine Scheibchen geschnitten
2 EL Olivenöl (1 EL für die Marinade, 1 EL zum Anbraten)

Grapefruit waschen, halbieren und den Saft auspressen. Schale abreiben und mit den übrigen Zutaten der Marinade verrühren. Ich habe das Fleisch eine Stunde mariniert, dabei die Koteletts einige Male gewendet.

Das Karree abtupfen, Marinade aufheben. Fleisch je nach Dicke von beiden Seiten je drei bis vier Minuten in einer Pfanne mit 1 EL Öl anbraten, dann bei 80 Grad im Rohr ruhen lassen. Vor dem Servieren in der Pfanne bei großer Hitze mit der Marinade glasieren.

Für den Salat:
 ½ Pomelo
1 kleine rote Zwiebel
1 EL Sojasauce
1 EL Nussöl
1 EL brauner Zucker
1 Karotte
1 rote Chili
25 g geröstete, ungesalzene Erdnusskerne
1 EL dunkles Sesamöl
1 Limette
½ Bund Koriander
½ Bund frische Minze
½ Bund Petersilie

Die halbe Pomelo filetieren. Dazu die harte Haut komplett entfernen und das Fruchtfleisch in mundgerechte Stücke brechen.
Zwiebel und Knoblauch abziehen. Den Knoblauch fein hacken, die Zwiebel in Ringe schneiden. Koriander und Minze waschen, trocknen, Blättchen abzupfen und in 2 cm breite Streifen schneiden. Karotte schälen und mit dem Sparschäler in längliche dünne Scheiben schneiden. Alles vermengen. Chilischote halbieren, entkernen und fein hacken. Sojasauce mit Nussöl, Sesamöl, braunen Zucker, Chilischote und den gerösteten Erdnusskernen dazugeben. Limette waschen, Schale über dem Salat abreiben, halbieren und den Saft über dem Salat auspressen. Den Salat noch einmal vermengen und ziehen lassen.

Koteletts auf dem Salat servieren.



Ein unkompliziertes, schnell zuzubereitendes Essen, das uns sehr gut geschmeckt hat. Das wird sicher wiederholt.

Freitag, 3. Februar 2017

Suppe von der Räucherforelle

Wie in meiner Buchbesprechung angekündigt, muss ich unbedingt das Rezept der Forellensuppe aus Mit einer Prise Orient zeigen. Die schaut nicht nur unglaublich gut aus, sondern schmeckt auch so. Und man verwendet wirklich alles von der Forelle. Aus der Haut und den Gräten wird ein Süppchen gemacht - ja das geht und schmeckt tatsächlich nach Räucherforelle.

Das Fleisch wandert nicht in die Suppe, sondern wird mit Rahm und Kräutern vermischt, auf geröstetem Weißbrot mit Forellenkaviar serviert. Für uns beide war das eine angenehme Portion zum Abendessen, für vier reicht die Menge als Vorspeise.



1 Räucherforelle (ca. 800 g)
1 Zwiebel
½ TL Salz
1 Lorbeerblatt
3-4 Pimentkörner
1 große mehligkochenden Erdapfel
500 g Kastenweißbrot (da habe ich 250 g Toastbrot genommen)
1 kleiner Bund Schnittlauch
1 kleiner Bund Dill
2-3 Minzestängel
50 g Sauerrahm (Deutsche nehmen Schmand, Schweizer Creme fraiche)
50 g Forellenkaviar
100 g Schlagobers  (Deutsche nehmen Schlagsahne, Schweizer Rahm)

Von der Räucherforelle die Haut abziehen und vorsichtig das Fleisch von den Gräten lösen. Das Forellenfleisch beiseitelegen. Die Haut und die Gräten in einen Topf geben, 1 Liter Wasser hinzufügen und zum Kochen bringen. Die Zwiebel schälen und in grobe Stücke schneiden. Zwiebelstücke, Salz, Lorbeerblatt und Pimentkörner dazugeben, die Hitze reduzieren und ca. 30 Minuten köcheln lassen. Die Suppe durch ein feines Sieb in einen zweiten Topf passieren und diesen wieder auf die Herdplatte stellen. Den Erdapfel schälen, grob reiben, in die Suppe geben und bei kleiner Hitze ca. 15 Minuten köcheln lassen.

Ich habe das Toastbrot im Toaster getoastet. Im Kochbuch wird es entrindet und im Rohr geröstet: Dafür den Backofen auf 220 Grad vorheizen. Das entrindete Weißbrot längs in schmale Streifen schneiden. Im heißen Ofen 5 Minuten rösten.

Das Forellenfleisch fein hacken. Schnittlauch, Dill und Minze waschen und trocken schütteln. Den Schnittlauch in feine Röllchen schneiden. Die Blättchen von Dill und Minze abzupfen und sehr fein hacken. Das Forellenfleisch mit Sauerrahm und den Kräutern miteinander vermengen und auf die gerösteten Weißbrotstreifen geben. Mit dem Forellenkaviar garnieren.

80 g Obers in die Suppe geben, einmal aufkochen lassen und mit dem Stabmixer glatt pürieren. Das restliche Obers steif schlagen, in die Suppe geben und mit dem Stabmixer aufschäumen. Die Suppe mit den Broten servieren.



Und siehe da, es wird wirklich ein Schaumsüppchen! Sehr oft gelingt mir das nicht, aber hier war es gar kein Problem. Nachkochempfehlung!

Dienstag, 31. Januar 2017

[Buchbesprechung] Mit einer Prise Orient

Was für ein Kochbuch! Ein Rezept nachgekocht und schwupps, konnte ich nicht mehr aufhören! Ich bin dem Buch verfallen, aber komplett.

Und jetzt langsam, ohne mit der Tür ins Haus zu fallen: Jacqueline Amirfallah ist erfolgreiche Köchin mit halb iranischen, halb deutschen Wurzeln, wuchs teils im Iran, teils in Deutschland auf und entdeckte während ihres Soziologiestudiums ihren Hang zum Kochen. Nun leitet sie ein Restaurant, eine Kulturkneipe und kocht auch im deutschen Fernsehen. Ich finde es fantastisch, dass sich unter der Heerschar an männlichen Köchen auch Frauen durchsetzen können!

Das Kochbuch ist wie alle Bücher aus dem AT-Verlag mit unglaublich viel Liebe gestaltet: ein hochwertiger Prägedruck ziert den Buchdeckel, eine Schleife, die man auch gleich als Lesezeichen entfremden kann, zeigt ein Bild der Autorin. Es gibt ein klar strukturiertes Register. Die Fotos von Hubertus Schüler sind wunderschön und erinnern mich an Stilleben. Dabei kugelt aber nicht alles an Lebensmitteln in der Gegend herum, sondern ist schön angerichtet auf  jeweils passenden Tellern oder in Töpfen. Ausnahme sind die Einleitungsfotos zu den Kapiteln, da kugelt alles durch die Gegend: Beim Kapitel "Hülsenfrüchte & Getreide" findet sich ein lebensfrohes Durcheinander von vielen verschiedenen Zutaten. Das passt dann aber auch immer perfekt zu den jeweiligen Kapiteln.

Neben Vorwort und Anhang sind die Kapitel "Gemüse", "Reis, Bulgur & Couscous", "Hülsenfrüchte & Getreide", "Fisch", "Fleisch", "Süßes". Darüber hinaus finden sich Einschübe, mit denen auf einer Seite bei uns eher selten vertretene Gewürze genau erklärt werden, auf der gegenüber liegenden Seite ist das entsprechende Foto zu sehen.

Mit über 200 Seiten ist das Buch umfangreich, aber noch nicht so ein Wälzer, dass man es kaum in den Händen halten kann. Die Rezepte sind alle gut nachkochbar und es wird nicht mit so exotischen Zutaten gearbeitet, dass man sie von sonst wo bestellen müsste. Ich bekomme hier alles, was an "Exotika" gebraucht wird, in einem kleinen Asia-Laden, den Rest kann man im Supermarkt oder am Bauernmarkt kaufen.

Die Rezepte sind gut beschrieben und daher auch sehr schön zum Nachkochen. Was mir auch sehr gut gefällt: Es gibt Rezepte für jeden Schwierigkeitsgrad. Die beiden ersten Fotos hier, die Artischocken und das Bohnenpüree, sind einfache Alle-Tage-Gerichte, die man ohne Probleme auch nach einem arbeitsintensiven Tag kochen kann. Es sind aber auch Rezepte in den Buch, die total raffiniert sind und bei denen sich jeder Gast einen Nachschlag wünscht (Hab ich ausprobiert, ist wirklich so!). Es sind jetzt auch nicht Rezepte frei nach "Hier kocht Muttern", sondern das sind wirklich schöne und raffinierte Sachen, die gar nicht den schalen Beigeschmack nach schwerer Traditionsküche mitbringen.



Artischocken
Bei uns war das mit Erdäpfeln zusammen ein einfaches Abendessen: Die Artischocken werden mit verschiedenen Gewürzen und realtiv viel roter Zwiebel gebraten und schmecken sehr schön.


Bohnenpüree
Ja, kennt man. Glaubt man! Es ist aber wieder die Würze das gewisse Etwas, vor allem aber die Granatapfelkerne oben drüber gestreut, die das Püree besonders machen. Wir haben es mit Pfannenbrot aus dem Kochbuch gegessen, war beides super!

Suppe von der Räucherforelle
Mein persönliches Highlight! Nose to Tail von der Forelle quasi. Ich werde das Rezept noch in einem eigenen Postingvorstellen, weil das kann ich auf keinen Fall unter den Tisch fallen lassen.












Zucchiniküchlein mit Walnüssen und Rosinen
Man kann nie genug Zucchinirezepte haben, denn irgendwann im Sommer kommen alle Gartenbesitzer mit einem Riesenprügel von Zucchini daher. Dieses Rezept stelle ich daher im Sommer vor. Es ist ein wirklich gelungenes Küchlein, das durch Ingwer und Kreuzkümmel, dazu Walnüssen und Rosinen einen orientalischen Touch bekommt.


Schokoladenmousse mit Schokosand
Das ist jetzt das Dessert, von dem ich oben geschrieben habe, dass man damit rechnen muss, dass Gäste unbedingt einen Nachschlag haben wollen.
Es besteht aus 3 Komponenten: Mousse, Schokosand (aus eigens dafür gebackenem Teig geschreddert) und Kakaobaiser.
Noch dazu hat das den Vorteil, dass man danach nicht dasteht und schon wieder ein paar Eiklar übrig hat, also wieder Nose to Tail.






Ja, das wär's dann. Von mir eine ganz klare Kaufempfehlung, wenn man auch nur den Hauch an Interesse an persisch inspiriertem Essen hat. Es sind sowohl Rezepte für Anfänger als auch für Fortgeschrittene in dem Buch, solche für jeden Tag und solche für Feiertage. Für mich ist nach lange nicht Ende mit dem Nachkochen. Da finden sich noch etliche Lesezeichen im Buch, die ausprobiert werden wollen.

Fakten zum Buch
ISBN: 978-3-03800-873-6
Einband: Gebunden
Umfang: 208 Seiten
Kostet: 35,90 €

Danke an den AT-Verlag für das Rezensionsexemplar.